â Autor: Tobias Kremkau.
Am Sonntagabend war ich im Magdeburger Kunstmuseum und habe mir die Installation âThe Rhinocerus in the Room oder: Ein MĂ€rchen von BanalitĂ€t und Bösemâ von Itamar Gov angesehen.
Schon der Titel ist ein Verweis auf EugĂšne Ionesco und dessen TheaterstĂŒck âDie Nashörnerâ. Dort verwandeln sich Menschen nach und nach in Nashörner â eine Parabel auf Konformismus, auf das Hineingleiten in totalitĂ€re Systeme, auf die erschreckende Leichtigkeit, mit der sich Absurdes normalisieren lĂ€sst.
Gov verbindet in seiner Installation die Idee des sprichwörtlichen âElefanten im Raumâ mit Ionescos Motiv der Verwandlung. Es geht um BanalitĂ€t, um Gewöhnung, um die Frage, wann wir aufhören, Widerspruch zu leisten â nicht aus Ăberzeugung, sondern aus Bequemlichkeit oder MĂŒdigkeit.
Eine monumentale, weiĂ aufgeblasene Nashorn-Skulptur fĂŒllt nahezu vollstĂ€ndig das Kirchenschiff eines Klosters. Das Tier steht zwischen hohen Steinpfeilern unter einem Gewölbe und wirkt durch seine GröĂe zugleich weich und ĂŒberwĂ€ltigend. Im Vordergrund betrachten zwei Personen mit MĂŒtzen die Installation aus der Distanz und heben die Arme, wodurch der GröĂenunterschied zwischen Mensch und Kunstwerk besonders deutlich wird.
Gerade im Vorfeld der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt bekommt diese Arbeit eine zusÀtzliche SchÀrfe. Sie wirkt nicht agitatorisch, sondern irritierend. Sie stellt keine Parolen auf, sondern legt einen Denkraum frei. Und vielleicht ist genau das ihre politische QualitÀt: Sie zwingt zur Selbstbefragung.
Wie viel Anpassung halten wir fĂŒr pragmatisch? Ab wann wird Pragmatismus zur stillen Akzeptanz? Und wann merken wir, dass sich etwas verschoben hat, das wir eigentlich nicht verschoben wissen wollten?
Ich habe die Ausstellung nachdenklich verlassen. Nicht mit einer fertigen These, sondern mit einem Unbehagen â im produktiven Sinne. Kunst kann keine Wahl entscheiden. Aber sie kann Wahrnehmung schĂ€rfen. Und manchmal ist das bereits ein politischer Akt.
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