– Autor: Tobias Kremkau.
Heute Nachmittag, am 27. Juni 2026, haben mich die im Wahlkreis 2 lebenden Mitglieder von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zu ihrem Direktkandidaten für die Landtagswahl am 6. September gewählt. Weil der Wahlkreis Gebiete aus zwei Landkreisen umfasst – Oebisfelde-Weferlingen, Kalbe (Milde), Klötze und die Hansestadt Gardelegen – , haben darüber gemeinsam Mitglieder der Kreisverbände Altmark und Börde entschieden.
Ich freue mich sehr über dieses Vertrauen. Und ich weiß zugleich ziemlich genau, worauf ich mich mit dieser Kandidatur einlasse.
Ich trete nicht an, weil ich mir ernsthafte Hoffnungen auf das Direktmandat mache. In Sachsen-Anhalt wurde noch nie eine bündnisgrüner Kandidat*in direkt in den Landtag gewählt. Das wird sich auch nicht über Nacht ändern. Alles andere zu behaupten, wäre weder ehrlich noch glaubwürdig.
Aber daraus folgt nicht, dass diese Kandidatur bedeutungslos wäre. Im Gegenteil.
Politik darf nicht nur dort stattfinden, wo Wahlerfolge wahrscheinlich sind. Gerade in ländlichen Regionen braucht es demokratische Parteien, die sichtbar bleiben, ansprechbar sind und ihre Überzeugungen nicht nur in den großen Städten vertreten. Es braucht Veranstaltungen, Infostände, Haustürgespräche und Menschen, die bereit sind, sich Fragen, Widerspruch und Kritik zu stellen.
Die Menschen im Wahlkreis sollen bei der Landtagswahl nicht nur zwischen den Kandidat*innen der anderen Parteien wählen können. Sie sollen auch einem bündnisgrünen Kandidaten ihre Stimme geben können, der die Region kennt, hier politisch arbeitet und bereit ist, für seine Positionen einzustehen. Das ist ein Grund, warum ich antrete.
Der zweite Grund ist ebenso klar und ganz bewusst taktisch.
Bei der Landtagswahl haben die Wähler*innen zwei Stimmen. Mit der Erststimme wählen sie eine Person im Wahlkreis, mit der Zweitstimme eine Partei. Für die Zusammensetzung des Landtags ist vor allem die Zweitstimme entscheidend.
Und Parteien gewinnen leichter Zweitstimmen, wenn sie vor Ort nicht nur als Logo auf dem Stimmzettel vorkommen. Menschen wollen wissen, wer für eine Partei steht, wer ihre Positionen vertritt und wen sie ansprechen können. Sichtbarkeit schafft Vertrauen. Präsenz macht einen Unterschied.
Meine Kandidatur soll deshalb dazu beitragen, uns Bündnisgrüne im Wahlkreis sichtbarer zu machen und möglichst viele Menschen davon zu überzeugen, uns ihre Zweitstimme zu geben. Denn am Ende entscheidet nicht mein persönliches Ergebnis darüber, wie stark bündnisgrüne Politik im nächsten Landtag vertreten sein wird. Entscheidend ist, wie viele Menschen ihr Kreuz bei uns machen.
Ich werde diesen Wahlkampf deshalb weder mit der Illusion führen, das Direktmandat zu gewinnen, noch als symbolische Pflichtübung behandeln.
Ich trete an, um für unsere politischen Überzeugungen zu werben. Ich trete an, um zuzuhören, zu widersprechen und unsere Antworten zur Diskussion zu stellen. Ich trete an, weil ländliche Regionen eine starke demokratische Stimme brauchen. Und ich trete an, damit möglichst viele Menschen neben meiner Kandidatur auch BÜNDNIS 90/DIE GRÜN ihre Zweitstimme geben.
Ein Wahlkreis wird nicht erst dann wichtig, wenn man ihn gewinnen kann. Er ist wichtig, wenn man bereit ist, in ihm sichtbar zu sein, Verantwortung zu übernehmen und vor Ort etwas zu bewegen.