Land und Leute

Auf der alten Kleinbahntrasse durch die Altmark

Heute bin ich mit dem Fahrrad von Hohenwulsch über Bismark (Altmark) nach Kalbe (Milde) gefahren – und am Nachmittag wieder zurück. Insgesamt waren das zwei wunderbare Fahrten auf einem beeindruckenden Radweg, der für mich zeigt, wie gute Infrastruktur und die Schönheit der Altmark zusammenwirken können.

Fast zwanzig Kilometer abseits des Autoverkehrs

Zwischen Bismark (Altmark) und Kalbe (Milde) verläuft der Radweg rund 14,5 Kilometer auf der stillgelegten Trasse der ehemaligen Altmärkischen Kleinbahn. Zusammen mit dem bereits vorhandenen Abschnitt von Hohenwulsch nach Bismark entsteht eine fast 20 Kilometer lange Verbindung. Für meine Hin- und Rückfahrt kamen damit knapp 40 Kilometer zusammen.

Der Weg ist mit 2,50 Metern angenehm breit, weitgehend gerade und aufgrund seiner Vergangenheit als Bahnstrecke nahezu frei von größeren Steigungen. Vor allem aber fährt man – außerhalb von Bismark – über weite Strecken abseits des motorisierten Verkehrs. Ab und zu kreuzt man lediglich eine befahrene Straße. Das macht den Fahrradweg nicht nur komfortabel, sondern auch sicher und entspannt.

Gerade die durchgehende Betonfahrbahn lässt sich hervorragend befahren. Man kommt gut voran, ohne das Gefühl zu haben, durch die Landschaft zu rasen. Stattdessen bleibt genügend Aufmerksamkeit für das, was diese Strecke umgibt.

Die Altmark in ihrer typischen Schönheit

Die Landschaft entlang des Weges zeigt die Altmark so, wie ich sie besonders mag: weit, ruhig und unaufgeregt schön. Felder, Wiesen, Bäume und Wasserläufe begleiten die Strecke, in der Ferne sieht man ab und zu ein Dorf. Es braucht keine spektakulären Aussichtspunkte, um diese Landschaft genießen zu können. Ihre besondere Qualität liegt gerade in der Weite, ihrer Ruhe und in den vielen kleinen Eindrücken am Wegesrand.

Dass hier früher Züge unterwegs waren, ist noch immer zu erkennen. Man passiert beispielsweise das ehemalige Bahnhofsgebäude von Neuendorf am Damm. Solche Relikte erinnern daran, dass der Radweg nicht einfach auf irgendeiner freien Fläche entstanden ist. Er folgt einer historischen Verkehrsachse, die über viele Jahrzehnte Menschen und Orte miteinander verbunden hat.

Seit 2001 war die Strecke ungenutzt und zunehmend von der Natur zurückerobert worden. Für den neuen Radweg mussten die alte Bahntrasse freigelegt, Schienen und Betonschwellen entfernt sowie fünf Eisenbahnbrücken vollständig erneuert werden. Nach rund eineinhalb Jahren Bauzeit wurde die Verbindung im Juni 2025 eröffnet.

Eine neue Nutzung fĂĽr eine alte Verbindung

Rund 6,5 Millionen Euro wurden in das Gemeinschaftsprojekt der Städte Bismark und Kalbe investiert. Ein großer Teil der Finanzierung kam aus dem Bundesprogramm „Stadt und Land“, hinzu kamen Mittel des Landes Sachsen-Anhalt und Eigenanteile der beiden Kommunen.

Das Ergebnis ist weit mehr als ein touristischer Ausflugsweg. Der Radweg verbindet zwei Städte, zwei Landkreise und über Hohenwulsch auch Kalbe mit dem Bahnverkehr. Von hier sind es 22 Bahnminuten nach Salzwedel, 12 Bahnminuten nach Stendal und insgesamt 60 Bahnminuten weiter bis nach Magdeburg. Damit kann der Radweg ebenso für alltägliche Wege, für Pendler*innen und für die Kombination aus Fahrrad und Bahn genutzt werden.

Selfie eines bärtigen Radfahrers mit schwarzem Fahrradhelm und weißem T-Shirt. Hinter ihm verläuft ein schmaler, heller Radweg durch eine dicht begrünte Baumallee.

Unterwegs auf der alten Kleinbahntrasse

Ein Radweg, der die Region zusammenbringt

Meine Fahrt nach Kalbe (Milde) und zurück hat mir große Freude gemacht. Der Weg lässt sich wunderbar fahren, führt durch eine typisch schöne altmärkische Landschaft und hält mit den Relikten der Kleinbahn immer wieder kleine historische Entdeckungen bereit.

Für mich ist dieser Radweg deshalb ein gelungenes Beispiel dafür, wie ländliche Räume gestärkt werden können: durch sichere Verbindungen, durch die kluge Nutzung vorhandener Infrastruktur und durch Zusammenarbeit über Stadt- und Landkreisgrenzen hinweg.

Eine alte Bahnstrecke verbindet wieder Menschen und Orte – heute auf zwei Rädern. Viel besser lässt sich kaum zeigen, wie aus der Geschichte einer Region ein Stück ihrer Zukunft werden kann.