Zwei Trikots und eine Stadt
Von zwei Dingen habe ich gefährlich wenig Ahnung: Fußball und Fashion. Trotzdem möchte ich über zwei aktuelle Trikots des 1. FC Magdeburg schreiben. Denn sie – und vor allem die Reaktionen auf sie – beschäftigen mich mehr, als ich erwartet hätte. Ich ertappe mich jedenfalls erstaunlich oft dabei, über diese beiden Trikots nachzudenken.
Sondertrikots scheinen im Fußball ein eigenes Feld zu sein. Immer wieder bekomme ich am Rande mit, dass dieser Verein ein neues Trikot herausbringt und jener gleich noch eines. Die Reaktionen darauf sind nicht immer positiv. Ob es diese Entwicklung braucht, ob dahinter vor allem Marketing steckt oder der Wunsch, Geschichte(n) zu erzählen, kann ich nicht einschätzen.
Backstein, Rost und der Handelshafen
Aber zurück nach Magdeburg: Das neue Auswärtstrikot ist in einem eigentümlichen Rotbraun gehalten, das an Backstein und Rost erinnern soll. Es ist dem Magdeburger Handelshafen gewidmet und greift mit seiner Farbgebung und weiteren Details einen der erhaltenen Speicher am Hafenbecken auf.

Das aktuelle Auswärtstrikot (© 1. FC Magdeburg Spielbetriebes GmbH)
In einem Podcast habe ich gehört, dass sich viele FCM-Fans an dem Trikot stören. Die Farbe erinnere zu sehr an den FC St. Pauli, heißt es, und ein bräunliches Rot gehöre weder zu den Club- noch zu den Stadtfarben. Hinzu kommt, dass der FCM selbst keine unmittelbare Verbindung zur Alten Neustadt und zum Handelshafen hat. Mir persönlich gefällt das Trikot trotzdem – vermutlich gerade wegen seines historischen Kontextes.
Mit solchen Geschichten bekommt man mich. Und mich freut der Gedanke, dass sich selbst die Größten der Welt einmal der Stadt unterordnen, aus der sie kommen. Denn der FCM ist groß. Magdeburg aber ist mehr und sehr viel größer: älter, widersprüchlicher und voller Geschichten, die weit über den Fußball hinausreichen.
Die Platte als Stück Zuhause
Ähnlich verhält es sich mit dem heute vorgestellten Ausweichtrikot. Es ist schwarz und spielt in seinen Details auf die Platte an – auf eine Wohnform, die Magdeburg bis heute prägt und untrennbar mit der DDR-Geschichte der Stadt verbunden ist.
Als jemand, der elf Jahre in Neu-Olvenstedt aufgewachsen und dort bis zum Abitur zur Schule gegangen ist, fühle ich diese Idee vielleicht sogar noch stärker als die des Handelshafens. Die Platte ist für mich kein abstraktes Gestaltungsmotiv. Sie ist die Kulisse meiner Kindheit, ein Stück Zuhause und etwas, das von außen oft ganz anders betrachtet wird als von denen, die darin und dazwischen aufgewachsen sind.

Das aktuelle Ausweichtrikot (© 1. FC Magdeburg Spielbetriebes GmbH)
Natürlich bleiben es Trikots. Es sind Produkte, die verkauft werden sollen. Man sollte ihre Vermarktung nicht mit Bedeutung verwechseln. Trotzdem können sie Geschichten sichtbar machen – von Backstein und Hafenbecken, von Plattenbauten und dem Leben dazwischen. Geschichten, die größer sind als der Verein und gerade deshalb gut zu ihm passen.
Von Fußball und Fashion habe ich weiterhin gefährlich wenig Ahnung. Aber von Magdeburg verstehe ich zumindest ein bisschen. Und vielleicht reichen zwei Trikots, um daran zu erinnern, dass ein Fußballverein nicht nur für eine Stadt spielt. Er trägt sie auch.
Dafür: Chapeau, FCM.
