Persönliche Notizen

Zwei Trikots und eine Stadt

Von zwei Dingen habe ich gefĂ€hrlich wenig Ahnung: Fußball und Fashion. Trotzdem möchte ich ĂŒber zwei aktuelle Trikots des 1. FC Magdeburg schreiben. Denn sie – und vor allem die Reaktionen auf sie – beschĂ€ftigen mich mehr, als ich erwartet hĂ€tte. Ich ertappe mich jedenfalls erstaunlich oft dabei, ĂŒber diese beiden Trikots nachzudenken.

Sondertrikots scheinen im Fußball ein eigenes Feld zu sein. Immer wieder bekomme ich am Rande mit, dass dieser Verein ein neues Trikot herausbringt und jener gleich noch eines. Die Reaktionen darauf sind nicht immer positiv. Ob es diese Entwicklung braucht, ob dahinter vor allem Marketing steckt oder der Wunsch, Geschichte(n) zu erzĂ€hlen, kann ich nicht einschĂ€tzen.

Backstein, Rost und der Handelshafen

Aber zurĂŒck nach Magdeburg: Das neue AuswĂ€rtstrikot ist in einem eigentĂŒmlichen Rotbraun gehalten, das an Backstein und Rost erinnern soll. Es ist dem Magdeburger Handelshafen gewidmet und greift mit seiner Farbgebung und weiteren Details einen der erhaltenen Speicher am Hafenbecken auf.

AuswÀrtstrikot des 1. FC Magdeburg in der Saison 2026/2027

Das aktuelle AuswÀrtstrikot (© 1. FC Magdeburg Spielbetriebes GmbH)

In einem Podcast habe ich gehört, dass sich viele FCM-Fans an dem Trikot stören. Die Farbe erinnere zu sehr an den FC St. Pauli, heißt es, und ein brĂ€unliches Rot gehöre weder zu den Club- noch zu den Stadtfarben. Hinzu kommt, dass der FCM selbst keine unmittelbare Verbindung zur Alten Neustadt und zum Handelshafen hat. Mir persönlich gefĂ€llt das Trikot trotzdem – vermutlich gerade wegen seines historischen Kontextes.

Mit solchen Geschichten bekommt man mich. Und mich freut der Gedanke, dass sich selbst die GrĂ¶ĂŸten der Welt einmal der Stadt unterordnen, aus der sie kommen. Denn der FCM ist groß. Magdeburg aber ist mehr und sehr viel grĂ¶ĂŸer: Ă€lter, widersprĂŒchlicher und voller Geschichten, die weit ĂŒber den Fußball hinausreichen.

Die Platte als StĂŒck Zuhause

Ähnlich verhĂ€lt es sich mit dem heute vorgestellten Ausweichtrikot. Es ist schwarz und spielt in seinen Details auf die Platte an – auf eine Wohnform, die Magdeburg bis heute prĂ€gt und untrennbar mit der DDR-Geschichte der Stadt verbunden ist.

Als jemand, der elf Jahre in Neu-Olvenstedt aufgewachsen und dort bis zum Abitur zur Schule gegangen ist, fĂŒhle ich diese Idee vielleicht sogar noch stĂ€rker als die des Handelshafens. Die Platte ist fĂŒr mich kein abstraktes Gestaltungsmotiv. Sie ist die Kulisse meiner Kindheit, ein StĂŒck Zuhause und etwas, das von außen oft ganz anders betrachtet wird als von denen, die darin und dazwischen aufgewachsen sind.

Ausweichtrikot des 1. FC Magdeburg in der Saison 2026/2027

Das aktuelle Ausweichtrikot (© 1. FC Magdeburg Spielbetriebes GmbH)

NatĂŒrlich bleiben es Trikots. Es sind Produkte, die verkauft werden sollen. Man sollte ihre Vermarktung nicht mit Bedeutung verwechseln. Trotzdem können sie Geschichten sichtbar machen – von Backstein und Hafenbecken, von Plattenbauten und dem Leben dazwischen. Geschichten, die grĂ¶ĂŸer sind als der Verein und gerade deshalb gut zu ihm passen.

Von Fußball und Fashion habe ich weiterhin gefĂ€hrlich wenig Ahnung. Aber von Magdeburg verstehe ich zumindest ein bisschen. Und vielleicht reichen zwei Trikots, um daran zu erinnern, dass ein Fußballverein nicht nur fĂŒr eine Stadt spielt. Er trĂ€gt sie auch.

DafĂŒr: Chapeau, FCM.