Burgruinen, Brombeeren und viele Höhenmeter
Gestern haben wir nach längerer Zeit wieder eine Wanderung als Familie unternommen. Die Strecke erwies sich als überraschend abwechslungsreich und vor allem als gut machbar für unsere noch kleineren Kinder. Mit Zug und Bus ließ sie sich zudem vollständig mit öffentlichen Verkehrsmitteln bewältigen.
Von Magdeburg fuhren wir zunächst mit der Regionalbahn nach Neinstedt, einem Haltepunkt zwischen Quedlinburg und Thale. Schon Neinstedt wäre einen eigenen Ausflug wert: Der Marienhof mit Hofladen, Café und Streichelzoo ist ein schönes Ziel für Familien. Außerdem eignet sich der Ort als Ausgangspunkt für Wanderungen entlang der Teufelsmauer. Uns zog es dieses Mal jedoch in die andere Richtung – nach Süden und hinauf in die Berge.
Ein Feldweg als Genusspfad
Vom Haltepunkt Neinstedt wanderten wir knapp drei Kilometer nach Stecklenberg. Der Weg führte uns an der Kirche St. Katharinen und am Kahlenberg vorbei auf den Poetensteig. Besonders schön war der Feldweg zwischen Neinstedt und Stecklenberg. An seinen Rändern wuchsen Pflaumen, Mirabellen und Brombeeren – ein regelrechter Genusspfad.
Für eine Wanderung mit Kindern war das ausgesprochen hilfreich. Statt nach der verbleibenden Strecke zu fragen, waren sie damit beschäftigt, die nächsten reifen Früchte zu entdecken. So standen wir beinahe unvermittelt vor dem Spielplatz in Stecklenberg, unserem ersten Zwischenziel.
Während meine Frau und ich uns im Schatten der Dorfkirche Stecklenberg ausruhten, probierten unsere Kinder die beiden auffallend steilen Rutschen und die Schaukel aus. Abkühlung fanden wir an der Calciumquelle im Kurpark. Von ihr führt eine kleine Wasserachse in Richtung Kirche.
Direkt neben dem Spielplatz steht außerdem ein naturgetreues Modell der Lauenburg im Maßstab 1:20. So konnten wir bereits im Kleinen betrachten, was später noch eines der Ziele unserer Wanderung werden sollte.
Der kurze Aufstieg zur Stecklenburg
Zunächst ging es jedoch auf den Berg, dem Stecklenberg seinen Namen verdankt. Dort befinden sich die Reste der Stecklenburg. Der Aufstieg beginnt unmittelbar neben den beiden Rutschen mit einer Treppe. Mit rund 230 Metern ist der Weg zwar kurz, auf dieser Strecke werden jedoch etwa 56 Höhenmeter überwunden. Wir schafften den Aufstieg trotzdem in weniger als zehn Minuten.
Oben informiert eine Tafel über die Geschichte der Höhenburg aus dem 11. Jahrhundert. Es gibt außerdem einen überdachten Picknickplatz und zahlreiche kleine Schleichwege durch die imposanten Mauerreste. Gerade für Kinder ist die Ruine deshalb mehr als eine historische Sehenswürdigkeit: Sie lässt sich erkunden, durchqueren und beinahe wie ein Abenteuerspielplatz erleben.
Durch den Wald zur Lauenburg
Anschließend wanderten wir weiter zur Lauenburg. Wir entschieden uns für den südlichen Weg, der oberhalb der Wolfsschlucht verläuft. Unterwegs kamen wir am sogenannten Mundloch, dem Rest eines kleinen Stollens, und am ehemaligen Burgbrunnen vorbei.
Dieser Abschnitt ist nur etwa 1,3 Kilometer lang, verlangt einem aber einiges ab. Rund 114 Höhenmeter müssen überwunden werden, und gefühlt führt der Weg fast durchgehend bergauf. Die Kinder hielten wir mit kleinen Entdeckungen bei Laune: Käfer, Pflanzen und Geschichten über die Wölfe, die vermutlich einmal in dieser Gegend lebten. Eine solche Wanderung funktioniert mit Kindern schließlich selten allein über das Ziel. Oft sind es gerade die kleinen Dinge am Wegesrand, die dafür sorgen, dass der nächste Anstieg nicht ganz so lang erscheint.
Von der Vorburg ist vor allem die Ruine eines Bergfrieds erhalten. Ein großzügiges Treppengerüst führt an dem einst mehr als fünf Stockwerke hohen Turm hinauf. Von dort eröffnet sich ein weiter Blick in Richtung Quedlinburg.
Die Reste der Hauptburg liegen ungefähr 200 Meter weiter westlich. Um sie zu erreichen, steigt man zunächst eine Treppe hinab und auf der anderen Seite wieder hinauf. Dazwischen liegt der natürliche Burggraben zwischen zwei Felsen, über den früher vermutlich eine Zugbrücke führte. Der tiefe Graben und der dichte Wald schaffen eine beinahe märchenhafte Umgebung. Bei unseren Kindern setzte die Fantasie jedenfalls sofort ein.
Auf dem Plateau der Hauptburg sind noch verschiedene Mauerreste der romanischen Anlage aus dem 12. Jahrhundert zu erkennen. Auch wenn von der ursprünglichen Burg nur wenig erhalten geblieben ist, vermitteln ihre Lage und die Trennung von Vor- und Hauptburg noch immer einen Eindruck von ihrer einstigen Größe.
Die sogenannte Hexenlinde, ein in das Mauerwerk eingelassener Lindwurm, der die Nachbildung eines im Stein steckenden Excaliburs umgab, die Grundmauern der Burgkapelle und weitere Mauerreste machten auch diese Ruine zu einem Abenteuerspielplatz für unsere Kinder. Unter der Hexenlinde fanden wir außerdem für einige Minuten Schutz vor einem kurzen, leichten Regenschauer.
Steil zurück nach Stecklenberg
Für den Rückweg wählten wir den nördlichen, etwa 1,3 Kilometer langen Wanderweg hinunter vom Rambergmassiv. Über weite Strecken führt er beständig bergab. Insgesamt ging es rund 171 Höhenmeter hinunter, stellenweise sehr steil. Einige Hundert Meter vor der Stecklenburg wechselten wir auf den sogenannten Zick-Zack-Weg, der direkt an der oberen Rutsche des Spielplatzes endet.
Dieser Abschnitt war anspruchsvoller, als wir erwartet hatten. Trotz geeigneter Schuhe und Wanderstöcke mussten wir aufmerksam und vorsichtig gehen. Bei Nässe oder anderen ungünstigen Wetterbedingungen würde ich Familien eher empfehlen, den Zick-Zack-Weg zu meiden und stattdessen den längeren Weg zum Ortsrand von Stecklenberg zu nehmen.
Als wir wieder am Spielplatz ankamen, waren die Kinder sichtlich geschafft. Den knapp drei Kilometer langen Rückweg über den Feldweg nach Neinstedt – trotz seiner Pflaumen, Mirabellen und Brombeeren – ersparten wir uns deshalb. Weniger als 100 Meter von der Calciumquelle entfernt befindet sich eine Bushaltestelle. Von dort fuhren wir über Neinstedt weiter nach Thale. Das hatte noch einen angenehmen Nebeneffekt: In Thale gab es für alle ein Eis, bevor wir in den Zug zurück nach Magdeburg stiegen.
