Demokratie in der Praxis

Auf dem Demokratiekongress 2026 der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Landtag von Sachsen-Anhalt war ich gestern als Referent zu einer Session über das Demokratieprinzip in Genossenschaften eingeladen – und habe dabei ganz konkret die Perspektive der CoWorkLand eG eingebracht.

Dieses Demokratieprinzip finde ich immer wieder bemerkenswert, gerade wenn man sie mit anderen Unternehmensformen vergleicht: In Genossenschaften gilt das Prinzip „eine Stimme pro Mitglied“. Unabhängig davon, wie viel Kapital jemand eingebracht hat. Während wirtschaftlicher Einfluss sonst oft direkt an Geld gekoppelt ist, organisieren Genossenschaften wirtschaftliches Handeln bewusst demokratisch. Mitglieder sind nicht nur Kund*innen oder Kapitalgeber*innen, sondern zugleich Eigentümer*innen und Mitentscheider*innen.

An unserer eigenen Arbeit lässt sich das ganz gut zeigen. In der CoWorkLand eG vernetzen und unterstützen wir Coworking Spaces – vor allem in ländlichen Regionen. Unsere Mitglieder sind ziemlich unterschiedlich: von kleinen Initiativen auf dem Dorf bis hin zu etablierten Standorten in Klein- und Mittelstädten. Und trotzdem gilt in der Mitgliederversammlung für alle genau das gleiche Stimmrecht. Das führt dazu, dass Entscheidungen nicht nur die Perspektive einzelner großer Akteure abbilden, sondern die der gesamten Gemeinschaft.

Ein aktuelles Beispiel dafür ist unsere strategische Weiterentwicklung. Nach einigen Jahren mit klarem Fokus auf Coworking im ländlichen Raum diskutieren wir gerade, das Konzept weiterzuentwickeln – hin zu sogenannten MehrWertOrten. Also Orten, an denen Coworking mit anderen lokalen Angeboten zusammenkommt: Dorfläden, Werkstätten oder andere gemeinschaftlich genutzte Infrastrukturen. Diese Idee ist nicht „von oben“ gekommen, sondern wurde innerhalb der Genossenschaft entwickelt, diskutiert und schließlich gemeinsam beschlossen.

Für mich war mein Impulsvortrag auf dem Demokratiekongress deshalb vor allem eine Gelegenheit, genau dieses Zusammenspiel sichtbar zu machen: wirtschaftliches Handeln und demokratische Mitbestimmung. Genossenschaften zeigen, dass das kein Widerspruch ist – im Gegenteil. Gerade für regionale Entwicklung und neue Arbeitsorte kann dieses Modell ziemlich viel leisten.

Und ganz ehrlich: Ich finde, solche Perspektiven gehören stärker in politische Debatten. Insofern habe ich mich über die Einladung auch deshalb gefreut, weil ich die Erfahrungen unserer Mitglieder in genau so einen Kontext einbringen konnte.