Itamar Govs Nashorn 🦏

Am Sonntagabend war ich im Magdeburger Kunstmuseum und habe mir die Installation „The Rhinocerus in the Room oder: Ein Märchen von Banalität und Bösem“ von Itamar Gov angesehen.

Schon der Titel ist ein Verweis auf Eugène Ionesco und dessen Theaterstück „Die Nashörner”. Dort verwandeln sich Menschen nach und nach in Nashörner – eine Parabel auf Konformismus, auf das Hineingleiten in totalitäre Systeme, auf die erschreckende Leichtigkeit, mit der sich Absurdes normalisieren lässt.

Gov verbindet in seiner Installation die Idee des sprichwörtlichen „Elefanten im Raum“ mit Ionescos Motiv der Verwandlung. Es geht um Banalität, um Gewöhnung, um die Frage, wann wir aufhören, Widerspruch zu leisten – nicht aus Überzeugung, sondern aus Bequemlichkeit oder Müdigkeit.

Eine monumentale, weiß aufgeblasene Nashorn-Skulptur füllt nahezu vollständig das Kirchenschiff eines Klosters. Das Tier steht zwischen hohen Steinpfeilern unter einem Gewölbe und wirkt durch seine Größe zugleich weich und überwältigend. Im Vordergrund betrachten zwei Personen mit Mützen die Installation aus der Distanz und heben die Arme, wodurch der Größenunterschied zwischen Mensch und Kunstwerk besonders deutlich wird.

Gerade im Vorfeld der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt bekommt diese Arbeit eine zusätzliche Schärfe. Sie wirkt nicht agitatorisch, sondern irritierend. Sie stellt keine Parolen auf, sondern legt einen Denkraum frei. Und vielleicht ist genau das ihre politische Qualität: Sie zwingt zur Selbstbefragung.

Wie viel Anpassung halten wir fĂĽr pragmatisch? Ab wann wird Pragmatismus zur stillen Akzeptanz? Und wann merken wir, dass sich etwas verschoben hat, das wir eigentlich nicht verschoben wissen wollten?

Ich habe die Ausstellung nachdenklich verlassen. Nicht mit einer fertigen These, sondern mit einem Unbehagen – im produktiven Sinne. Kunst kann keine Wahl entscheiden. Aber sie kann Wahrnehmung schärfen. Und manchmal ist das bereits ein politischer Akt.